Hochwasser-Rückhaltebecken „Katzengraben“ eingeweiht

28.07.2020

Nach langer Planungsphase und Gesamtkosten von 1,1 Millionen Euro ist das Rückhaltebecken „Katzengraben“ nun fertig: Es hält bis zu 8700 Kubikmeter Wasser zurück.

 

Von Grund auf saniert, umgebaut und erweitert wurde das Hochwasser-Rückhaltebecken „Katzengraben“. Lange Jahre waren Gemeinde, Planer und Bauleute mit dem Vorhaben beschäftigt: Im Jahr 2012 wurde das bestehende Becken überprüft und eine Sanierungsplanung eingeleitet, dem Grundstückserwerb an der Flanke im Jahr 2014 folgte die Genehmigungsplanung. Nach einer Nutzen-Kosten-Untersuchung kam die Förderzusage und nach Planung und mehreren Gutachten erfolgte schließlich von 2019 bis 2020 der Bau. 1,1 Millionen Euro wurden investiert, wozu das Land 70 Prozent der Kosten beigesteuert hat. Dies berichtete Bürgermeister Maik Brandt bei der offiziellen Einweihung.

 

Während des Baus, bei dem der Zeit- und Kostenrahmen eingehalten wurden, liefen im Rathaus die Fäden bei Lena Kühne, der stellvertretenden Bauamtsleiterin, zusammen. Ausgezeichnete Arbeit hätten die Ingenieurbüros Martin-Schnese und Plessing sowie das Bauunternehmen Mackmull geleistet, lobte Brandt. „Es war eine schöne Baustelle“, fand Firmenchef André Mackmull.

 

Gelungen ist die Einbindung des Beckens in die Landschaft. 18 neue Obstbäume wurden gepflanzt. Eine abgestorbene Baumruine blieb erhalten; dort hat der Große Goldkäfer sein Zuhause. Die ausgesiedelten, streng geschützten Eidechsen bekamen in den Fugen der aufgeschichteten gelben Muschelkalkblöcke und zwischen alten Wurzelstöcken ihren Lebensraum zurück, wie Susanne Wien vom Büro Plessing berichtete.

 

Nun werden die Bäche vom Salzberggraben, dem Brunnenbächel und den Schwanischen Rain hinunter in die neue Mulde geführt und unter dem hohen Damm hindurch kontrolliert talwärts bis in den Lobbach geleitet. „Es ist kein Stausee“, stellte der für die Bauleitung und Bauvermessung zuständige Georg Schmerbeck augenzwinkernd klar. Das Becken füllt sich nur bei Starkregen und kann bis zu 8700 Kubikmeter Wasser zurückhalten. Es fließt kontinuierlich unter einem festen Drosselschieber ab: Dieser lässt maximal 300 Liter pro Sekunde durch, genauso viel wie die anschließende Kanalisation aufnehmen kann. Die Ingenieure haben berechnet, dass die Mengen eines Jahrhunderthochwassers inklusive Klimafaktor in die Flutmulde passen, ehe sie den befestigten Notüberlauf überschreiten.

 

Die Höhe des Absperrdamms über dem Einlaufbauwerk beträgt rund vier Meter. Auf der Dammkrone befindet sich das Bedienpodest der Anlage mit der Stauwärter-Schutzhütte, die die örtliche Zimmerei Künzer gebaut hat. Ingenieur Oliver Schnese erklärte, dass auch die beiden Einlaufbauwerke am Ende der Friedhofstraße bei der Einmündung aus dem Nebental vom Kirchenbuckel aufwendig um- und ausgebaut wurden. Der anschließende Regenwasserkanal wurde vergrößert, damit er genug Wasser aufnehmen und in die Kanalisation der Hauptstraße weiterleiten kann. Dort wurden an drei kritischen Stellen die Schachtabdeckungen druckdicht verschlossen.

 

Nun wird der Hochwasserschutzverband im Einzugsgebiet Elsenz-Schwarzbach die weitere technische Betreuung übernehmen. Dessen Geschäftsführer Gerold Werner war bei der Eröffnung dabei. Der Verband sorge für die regelmäßige Prüfung und Wartung der Becken, damit diese im Fall von Hochwassergefahr infolge von Starkregen zu 100 Prozent einsatzfähig seien, sagte er.

 

„Mönchzell braucht zur Rettung nun keine Arche Noah mehr“, brachte es Brandt abschließend auf den Punkt. Er ließ lediglich die Frage offen, ob es wirklich eine Katze war, von der das Gewann seinen Namen hat.

 

Text: Inge Hanselmann

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Hochwasser-Rückhaltebecken „Katzengraben“ eingeweiht

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HRB Katzengraben (29.07.2020)