Waldbegehung im Distrikt Mühlbach

06.10.2021

Die alle zwei Jahre stattfindende öffentliche Waldbegehung erfreut sich zunehmender Beliebtheit: Über 40 Teilnehmer – Gemeinderäte, Jäger und interessierte Bürger – begrüßte Bürgermeister Maik Brandt am Freitag am Treffpunkt im Distrikt Mühlbach. Revierleiter Thomas Glasbrenner und Philipp Schweigler vom Kreisforstamt führten die Gruppe die 2,5 Kilometer zur Salzberghütte hinauf. Sie stellten unterwegs vier verschiedene „Waldbilder“ vor und beantworteten die vielen Fragen der Besucher. Bedauert wurde, dass der beliebte, langjährige Förster Glasbrenner im Zuge der Revier-Neuorganisation des Kreises vom Meckesheimer Gemeindewald abgezogen wird.

 

1000 Bäume für 1000 Kommunen

Die erste Informationsstation war im Tal, wo im vergangenen Jahr „neuer Wald“ auf einer bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche von 0,3 Hektar angelegt worden war. 1000 Jungbäumchen – teils Schwarzerlen, teils Stieleichen – wurden im Rahmen einer Gemeindetagsaktion gepflanzt. Dies gilt als Investition in die Zukunft. Ungefähr drei Tonnen CO2 speichere eine solche Waldfläche pro Jahr, wurde berichtet. Die kleinen Eichbäume werden aus ihren hellgrünen Schutzhüllen herauswachsen und in 100 Jahren einen mächtigen Wald bilden. Weitere 1200 Bäumchen sollen im kommenden Jubiläumsjahr mit Bürgerbeteiligung hinzukommen, kündigte Brandt an.

 

Sich selbst überlassener Wald

Naturbelassener Wald, in dessen Entwicklung der Mensch seit Jahrzehnten nicht eingegriffen hat, war der Bestand ein Stück weiter oben am Hang. Auf drei Hektar Fläche stehen dort als „Urwald“ junge und alte Bäume dicht an dicht, ebenso umgestürzte Stämme und abgestorbenes Holz. „Hier wird der Natur freien Lauf gelassen“, wurde erklärt: „Für Vögel, Säuger und Insekten ist es ein ideales Rückzugsgebiet.“ Einen Holzernteertrag für die Gemeinde gibt es auf dieser Fläche nicht. Allerdings wurden für einzelne Bäume Fördergelder beantragt. Beispielhaft wurde auf eine große Buche hingewiesen, deren Rinde auf der sonnenbeschienenen Seite schuppenartig aufblättert und Fledermäusen Unterschlupf bietet, oder auf eine knorrige Eiche voller Spechthöhlen.

 

Vom Buchenwald zu Eichenwald

Der Klimawandel setzt dem Buchenbestand, aus dem derzeit der Gemeindewald zu 50 Prozent besteht, zu. Eichen vertragen trockenes, heißes Wetter besser. Sie haben in den vergangenen Sommern eine große Menge Eicheln gebildet; davon sind viele Sämlinge natürlich aufgegangen. Die Förster hegen und pflegen diese Stellen, wo handhoher Eichennachwuchs steht, die den Grundstock für einen neuen, eichenreichen Mischwald bilden.

 

Wald als Nutzwald

Waldstücke, bei denen das Herz des Försters warm wird und der Kämmerer sich freut, gibt es auch. Das zeigte das letzte „Waldbild“ entlang des Weges zur Salzberghütte. Hier wird in der bevorstehenden Hiebsaison der Einschlag erfolgen. Die Rückegassen sind bereits durch rote Doppelstriche markiert. Ein roter Querstrich bezeichnet industrieholztaugliche Stämme. Zwölf bis 14 Meter hohe, erntereife Stämme sind mit Zahlen beschriftet. Wertvolle Einzelbäume bleiben unberührt und können sich auf der durchforsteten Fläche weitere Jahre entwickeln.

 

Das geschlagene Holz wird je nach Qualität vermarktet. Es geht über globale Warenströme in alle Welt – unter anderem als Bauholz in heimische Sägereien, als Treppen- oder Fußbodenholz nach China, als Möbelholz nach Vietnam oder zur Eisstäbchen-Herstellung nach Tschechien.

 

Text: Inge Hanselmann

 

Bild zur Meldung: Waldbegehung 2021